Der nachfolgende Tourenbericht ist zuerst ähnlich im Jahresheft des DAV Oldenburg erschienen. Ich habe ihn mich entschlossen, ihn rückdatiert zum Monat der Tour in mein Blog aufzunehmen, um einen zugänglicheren Einblick zu gewähren.
Die Vorbereitung zu unserer Tour im begann im Herbst 2024: Mit acht Familien haben wir uns im Up! DAV Kletterzentrum getroffen. Die Interessen sind relativ breit, einige trauen sich alpine Übergänge zu, viele Anwesende haben jedoch noch keine Hüttenerfahrung. Daher fokussiere ich mich auf ein Angebot, das auch Einsteiger:innen mitnehmen soll. Die Wahl fällt schlussendlich auf eine Route, die ähnlich in einem Wanderführer für Familien (als Hüttentour) und für Erwachsene (als Tagestour für Wahnsinnige) steht. Als Mehrtagestour bleibt reichlich Gelegenheit für Abstecher und Umwege und selbst bei langen Gewittern sollte sich ein Zeitfenster für den direkten Übergang finden. Vieles kann, wenig muss.
Tag 1: Nach Südbayern geht es bequem an einem Tag. Morgens startet in Oldenburg ein ICE nach München, von dort hat man dann den ganzen Nachmittag zur Weiterfahrt. Da das DAV Haus Spitzingsee leider noch nicht ganz fertig renoviert ist, geht es für uns zunächst zum Haus Hammer weiter unten im Tal. Auf der Selbstversorgungshütte erkunden die Kinder die Umgebung, während die Erwachsenen noch ein paar Vorräte besorgen. Am Abend werden die Rollen getauscht: Die Eltern entspannen, die Kinder machen den Abwasch.
Tag 2: Wir entscheiden uns gemeinsam gegen den Bustransfer zum ursprünglich geplanten Start. So geht es im Tal an Mooren und Wasserfällen vorbei, bevor wir zum ersten Mal Almwiesen betreten. Der finale Anstieg zur Schönfeldhütte ist wunderschön abwechslungsreich. Nach der verlängerten Tour freuen sich aber vor allem die Erwachsenen auf Entspannung im Gastraum. Nur Andreas guckt sich am späten Nachmittag noch am Gipfel um.


Tag 3: In Luftlinie ist der heutige Übergang zur Maxlrainer Alm ein Spazierweg. Wir laufen jedoch zunächst in die Gegenrichtung und halten uns die Option offen, je nach Wetter alle Gipfel in Reichweite mitzunehmen – oder es bei einer Höhenwanderung auf Passhöhe zu belassen. Den ersten Abstecher – zum Aiplspitz – nimmt nur die Hälfte von uns in Angriff. Als es an einem schwierigen Wegabschnitt zu tröpfeln beginnt, brechen wir ab. Bei Regen möchte ich diesen Weg nicht zurück müssen – zumal nicht mit Kind. Wir treffen uns an der Schnittlauchmoosalm und wenig später ist es bereits wieder trocken. Zusammen entscheiden wir uns zu einer gemeinsamen Überschreitung des Raukopfs. In Gipfelnähe ist dann zum ersten Mal von allen Trittsicherheit gefragt. Nach einer anschließenden Pause am Taubensteinhaus machen einige von uns noch den kurzen Abstecher zum Taubenstein. Der erfordert etwas Kletterei in einer Rinne, ist aber auch für die Kinder gut zu schaffen. Am Abend steigen wir zur direkt unterhalb des Gipfels gelegenen Maxlrainer Alm ab. Die Privathütte entpuppt sich leider als Dauerbaustelle. Glücklicherweise schafft es der Koch in nächtlicher Abwesenheit des Wirts den Laden halbwegs zusammen zu halten.
Tag 4: Nach nächtlichem Gewitter steht heute der Übergang zum Rotwandhaus an. Zum Glück hält der Regen nicht lange an und beschert uns einen Vormittag in den Wolken. Da der Boden noch sehr nass ist, freuen wir uns über die Flexibilität und nehmen den direkten Weg. Als wir am Rotwandhaus ankommen, verlassen gerade die letzten Übernachtungsgäste die Hütte. Der Nachmittag bleibt trocken und ein Teil von uns erkundet die umliegenden Gipfel.
Tag 5: Der Tag ist klar und bietet einen hervorragenden Blick auf den Alpenhauptkamm vom Großvenediger im Osten bis zum Zuckerhütl im Westen. Wir nehmen uns viel Zeit, das Panorama zu genießen – teils auf der Hütte, teils nochmals am Gipfel. Der heutige Tag wird uns nämlich wieder ins Tal führen. Perfekt für diesen warmen Tag geht es durch den Pfanngraben. Dieser bietet reichlich Gelegenheit zum Abkühlen, zum Staudämme-Bauen und zum Baden in rund gespülten Gumpen. Ausgiebig mit kaltem Bergwasser gewaschen, erreichen wir die Albert-Link-Hütte im Tal der Vallep, kurz bevor die Tagesgäste verschwinden und die letzten Bestellungen für warmes Essen aufgenommen werden.
Tag 6: Der Gegenanstieg zum Bodenschneidhaus führt durch eines von Deutschlands wichtigsten Skigebieten. Anstatt unterhalb des Sessellifts in der stechenden Sonne zu schwitzen, entschließen wir uns für eine Fahrt. Es ist der heißeste Tag der Woche und die Höhe bietet hier keine ausreichende Abkühlung. So freuen wir uns beim Verlassen der Piste, dass wir uns noch unterhalb der Baumgrenze befinden. Nach einer Stärkung auf den Firstalmen teilen wir uns auf: Andreas, eines der Kinder und ich hoffen auf einen erfrischenden Wind am Grat und wagen einen Abstecher in Richtung Brecherspitze. Einige Leute, die uns von dort entgegenkommen, bezeichnen den Gipfel als Backofen und so drehen wir ab. Nahe der Freudenreichalm treffen wir den Rest der Gruppe. Weiter geht es im angenehm kühlen Bergwald und schon bald sind wir am Bodenschneidhaus.

Tag 7: Für den Abstieg haben wir viel Zeit – der Zug nach Norddeutschland fährt erst am Nachmittag. So können wir uns auf dem Weg ins Tal noch ausgiebig im Dürnbach erfrischen, der lange Zeit unseren Weg begleitet. Da sich der Bahnhof in Schliersee direkt neben dem Badestrand befindet, hüpfen wir zum Abschluss unserer Hüttentour noch einmal in das hier nicht ganz so kalte Wasser.







