Good Game!?! (92% kulturell wertvoll)

Videospiele gibt es viele, gemessen an ihrem Bespaßungsfaktor sogar viele gute. Um dieser Flut Herr zu werden, hat sich ein ganzer Zoo an Metamedien etabliert. Diese versuchen, für den Nutzer zu analysieren, welche Machwerke die begrenzte Freizeit des Gamers wert sind: Überragende gibt es definitionsgemäß nur wenige. Da wir in einer Welt der Zahlen, Tabellen und Fakten leben, wird der Spielspaß gemessen – wahlweise in Prozent oder in Schulnoten.

Man mag von diesem Vorgehen halten, was man will, doch gerecht werden sie dem Videospiel als Kulturgut nicht. Etabliert ist es dennoch, nicht nur bei interaktiven Medien: Fernsehzeitschriften setzen auf ein ähnliches System, welches teilweise sogar mit nur drei Abstufungen auskommt: In rot, rosa oder grau signalisieren Daumen oder Sterne, für wie sehenswert die Redaktionen das allabentliche Programm halten. Doch für kein Medium helfen diese Ergebnisse weiter, wenn man Wert auf die Geschichte – auf den vermittelten Inhalt – legt. Selbst umfangreichere Teasertexte, die Teile der Geschichte für die Einschätzung vorweg nehmen, helfen hier nicht weiter: Wenn ein Werk nicht glaubwürdig und atmosphärisch umgesetzt ist, kommt der beste Plot nicht an.

Am deutlichsten helfen hier die (meist viel zu kurzen) Kommentare und Fazits der Tester. Ein „Wer das Hirn abschaltet und sich auf die abstruse Science-Fiction-Handlung einlassen mag, kann getrost zugreifen“ sagt mehr aus, als jede Zahl es je könnte. Nur leider bleiben diese Beschreibungen oft minimal, mehrere Sichtweisen innerhalb einer Publikation sind zudem den Top-Titeln (in Prozent, Schulnoten, etc.) vorbehalten. Und hier endet das Dilemma: Diese Wertungen sind an maximaler Bespaßung ausgerichtet.

Der noch recht junge Spielertyp des Story-Gamers braucht auch die Möglichkeit, die Geschichte an einem Stück – oder zumindest in angemessener Zeit – zu erleben. Ein einfacher Schwierigkeitsgrad kommt dieser neuen Gruppe eher entgegen, ebenso wie relativ kurze Spielzeiten. Die Zielgruppe klassischer Gamesmedien wäre damit aber unterfordert und sieht sich mit zu wenig Spiel fürs Geld fast schon betrogen. Somit ist es für den vor allem kulturell interessieren Gamer sehr schwer, die passenden Inhalte zu finden. Und die (Not-) Lösung ist verpönt: „Herausforderung? Lieber Godmode!“

Sony und der gläserne Gamer

Vor über zwei Wochen wurden Sony die Daten von rund 77 Millionen Kunden gestohlen, um weiteren Schaden zu vermeiden wurde das PlayStation Network kurzerhand vom Netz getrennt. Die Abschaltung bemerkten die Kunden sofort: Sie konnten unter anderem online erworbene Medien nicht mehr nutzen. Den Grund, das Datenleck, gab Sony erst eine Woche später zu. Und man gelobte Besserung: Man wollte einen Sicherheitschef einstellen. Den Kunden wurde als Entschädigung ein Monat PlayStation-Plus-Service geschenkt. Jetzt, kurz vor dem geplanten Neustart des Netzwerks, musste Sony den Verlust weiterer Kundendaten zugeben: Betroffen sind knapp 25 Millionen PC-Accounts von Sony Online Entertainment-Spielen. Die SOE-Systeme wurden gestern heruntergefahren. Insgesamt sind also etwa 100 Millionen Datensätze entwendet worden.

Bei den entwendeten Daten handelt es sich laut Gamestar um Namen, Geburtsdaten, Adressen, E-Mail-Adressen sowie zum Teil Konto- und Kreditkarteninformationen der Benutzer. Die Digitale Gesellschaft fordert als Reaktion hierauf harte Strafen bei Datenlecks: Kunden sollen Recht auf Sammelklage bekommen und Konzerne das Risiko ihrer „Datenschutzschlampereien“ selbst tragen. Berechtigte Forderungen.

Doch zwei Fragen wurde bisher noch nicht gestellt: Wofür braucht Sony die ganzen Daten? Und: Warum geben die Nutzer sie her? Datensammelei ist in: Vorratsdatenspeicherung, Volkszählung, Facebook, PayBack, Google, jeder sammelt, je mehr, desto besser. Wissen ist Macht. Und selbst wenn es sich die Datenhalde doch als unnützes Wissen herausstellen sollte, stört es nicht weiter. Daten sind billig und Datensammelei stört kaum jemanden; die Nutzer können es gar nicht abwarten, ihre Daten los zu werden: Hier ne Kundenkarte, da ein Probeabo, dort ein „Like“. Aus Bequemlichkeit werden die Kreditkartendaten online gespeichert. Man könnte fast sagen: Es musste so kommen. Da rieseln sie nun, die Kundendaten. Die Kontrolle ist verloren. Und ändern will eigentlich auch niemand etwas: Sony hätte besser aufpassen sollen, stellt nun einen neuen Aufpasser für den Datenberg ein. Noch heißt es also: Weiter so!

User geben ihre Daten bereitwillig her

Die Forderungen nach härteren Strafen für Datenlecks, nach leichter zu erreichendem Schadensersatz, mögen nach Rache klingen, nach blutiger Vergeltung. Doch sie könnten ein Weg sein, Skandale wie diesen in Zukunft im Vornherein zu vermeiden. Die Industrie reicht den eigenen Kunden den verbotenen Apfel: Wer die Hosen nicht runter lässt, darf nicht mitspielen. Wenn die Vertreibung des Nutzers aus dem Paradies Privatsphäre die Konzerne plötzlich etwas kostet, könnte deren Wissbegierde in Zukunft abnehmen. Wofür muss Sony überhaupt wissen, wo ich wohne?

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) möchte zu diesem Zweck ein Datenschutz-Siegel einführen. Laut Heise meint sie, die Unternehmen würden mehr auf Datenschutz und -sicherheit achten, wenn sie durch eine Herabstufung beim Datenschutzsiegel massive Einbußen bei den Kundenzahlen und beim Renommee fürchten müssen. Malte Spitz (Grüne) fordert auf Twitter eine grundsätzliche Abkehr von der Datenanhäufung. Doch das ist nur zu erreichen, wenn das Durchleuchten der Kunden einen merklichen wirtschaftlichen Schaden erzeugt. Sei es durch hohe Strafen bei (unvermeidlichen) Datenlecks, sei es durch fernbleibende Kunden.

Solange es keine Regelung gibt, die unnötige Datenhalden bestraft, muss sich der Nutzer selber genau eine Frage stellen: Warum muss ich meine Daten überall eintragen? Vielleicht kann der Datenskandal hier zu einem Umdenken führen. Wenn wir aber nur auf Sony zeigen und unsere Daten weiter fröhlich in Die Welt blasen, wird sich nichts ändern. In diesem Sinne sind wir auch alle ein bisschen selber Schuld.

Der Untergang der Bürgertums?

Der 27. März 2011 war ein historischer Tag. Das sogenannte „Bürgerliche Lager“ musste in Baden-Württemberg zum ersten Mal seit Jahrzehnten eine echte Wahlniederlage einstecken. Ausgerechnet die Grünen, der von Schwarzgelb am schärfsten attackierte politische Gegner, fährt einen überwältigenden Sieg ein und wird künftig sogar den Ministerpräsidenten stellen.

Wird das Ländle jetzt sozialistisch, wie es unter anderem der CDU-Fraktionsvorsitzende Hauk an die Wand malte? Eher nicht. In Wahrheit scheint die Bevölkerung genau so konservativ geblieben zu sein, wie sie es schon seit mindestens 58 Jahren war. Auch wenn die Energiepolitik einen entscheidenden Einfluss auf diesen Wechsel hatte, reicht sie als Erklärung nicht aus: Schon vor dem Reaktorunglück in Fukushima konnten die Grünen in Umfragen Rekordwerte vorweisen. Vor allem viele frühere Nichtwähler haben aus deisem Grund ihr Kreuz bei den Grünen gemacht, doch bestand wohl kein Mobilisierungsproblem unter den (Ex-) CDU-Stammwählern. Die Wahrheit lautet: Die Grünen sind (zumindest in Baden-Württemberg) keine linke Partei mehr. Der künftige Ministerpräsident, der überzeugte Katholik Kretschmann, konnte viele Bürgerliche für sich mobilisieren. Vielleicht sind die Grünen sogar zur neuen „Mitte“ geworden. Diesen Titel hatten die Union bisher für sich beansprucht, zum Teil trotz populistischer Ausflüge, die man eher rechtsaußen eingeordnet hätte.

Bei Tageslicht betrachtet fällt weiter auf: Die Christdemokraten haben ihre Regierungsmehrheit vor allem durch das schlechte Abschneiden der FDP verloren. Fast wäre sie überhaupt nicht in den Landtag eingezogen. Auch die FDP hat an die Grünen verloren. Das überrascht wenig, verpassten es die Liberalen doch, an ihre Tradition als Bürgerrechtspartei anzuknüpfen. Seit Jahren steht der Wirtschaftsliberalismus im Vordergrund. Diese Vernachlässigung des einstigen Kernthemas hat sogar eine neue Partei auf den Plan gerufen, die seit einigen Jahren trotz geringstem Wahlkampfbudget und wenig politischer Erfahrung Wahl für Wahl Achtungserfolge einfahren kann: Die Piraten. (Sie sammelten z.B. im Südwesten Stimmen in der selben Größenordnung wie DieLinke.)

Und obwohl konservative Wähler den politischen Graben zwischen der CDU und Grünen übersprungen haben, und Schwarz-Grün laut Heiner Geißler (CDU) „politisch wie auch inhaltlich […] genauso möglich [sei] wie eine Koalition mit der FDP“, läuft alles auf Grün-Rot hinaus. Denn selbst die neuen, konservativen Grünen können nach der Laufzeitverlängerung und Stuttgart21 nicht mit der Union koalieren. Wenn man so will, wurde also die Wahl des Ministerpräsidenten schon im letzten Herbst entschieden, als sich die CDU ins koalitionspolitische Abseits spielte.

Atomsuppe selbst auslöffeln!

Heute Nacht war ich zu Gast bei der Nachttanzblockade Karlsruhe. Es war kalt und unbequem – aber es hat sich gelohnt. Die Atomkraftwerke bleiben zwar in Betrieb, doch allein die Erfahrung war es wert.

Erfahrungsbericht

Los ging es um 20:00 bei einem Partyzelt in Neureut. Einem der Karlsruher Stadtteile, die der Atommüll passieren würde. Die Stimmung unter den Demonstranten war locker. Es wurden Informationen ausgeteilt, wie man sich verhalten sollte. Und Kissen, um es sich später bequem zu machen. Als Neuling fühlte ich mich zunächst etwas unsicher, schließlich würden Teilnehmer der Demonstration heute Nacht bewusst gegen das Gesetz verstoßen. (Im Grunde steht die Blockade des Castors strafrechtlich auf einer Stufe mit Falschparken[1], aber es fühlt sich doch anders an.)

Als die Gruppe zu den Gleisen aufbrach, wurde schnell klar, dass die Polizei die Intention der Organisatoren richtig eingeschätzt hatte: In der Nähe des einzigen Stücks der Wegstrecke, auf dem neben dem Castor kein anderer Zug blockiert werden würde, waren bereits Scheinwerfer positioniert. Wir, eine Gruppe von etwa 700 Demonstranten, setzen uns in einen noch dunklen Bereich und machten es uns auf den Kissen gemütlich. Der Mond schien hell und die Gruppe sang. Zumeist über Atomkraft, aber auch „Pippi Langstrumpf“ wurde bemüht. Ein paar Anhänger der Linksjugend sangen die Internationale bis sie merkten, hier niemanden anstecken würden.

Mittlerweile war die Polizei am Gleisbett angelangt. Wir erzählten uns Witze und freuten uns besonders, wenn wir die Beamten des Nachts zum Schmunzeln bringen konnten. Sie waren sehr freundlich und nach den obligatorischen drei Platzverweisen trugen sie alle noch auf dem Gleis befindlichen Demonstranten behutsam in ein Gefangenenlager. Ich konnte es mir nicht verkneifen, einen der Beamten zu fragen, ob die Zahl der Demonstranten denn gewöhnlich sei. Die Antwort überraschte mich dann schon etwas: „Die Laufzeitverlängerung war eine dämliche Entscheidung.“

Als die Gleise frei waren, näherte sich der Transport durch das dicht bebaute Wohngebiet. Vorbei an Wohnhäusern, womöglich keine 50 Meter neben den Bettchen von schlafenden Kleinkindern. Der von mir gefragte Polizist bleib nicht der einzige, der sich kritisch gegenüber Atomkraft äußerte, nur hatten sie nun mal ihren Job zu erfüllen. Zu diesem gehörte leider auch, uns festzuhalten, bis der Castor die Stadt verlassen hatte. So konnten wir mit von der Demonstrationsleitung organisiertem warmem Tee unter Aludecken auf den Sonnenaufgang warten. Mit dem Tagesanbruch wurde das Lager aufgelöst. Wir waren müde und erschöpft, aber glücklich[2]. Insgesamt hatten wir dem Transport etwa drei Stunden abgenommen.

Motivation

Warum ich dort war? Atomkraftgegner bin ich seit langem, aktiv bin ich erst seit der Laufzeitverlängerung. Und da der Ausstieg schon ein Mal geglückt ist, kann es auch ein zweites Mal klappen. (Dieses Mal dann dank der Erfahrung Möglichkeit zum Wiedereinstieg.)

Mein Argument gegen Atomkraft ist vor allem ihr Preis. Zwar wird immer gern behauptet, der Strom sei „billig“ doch stimmt das maximal auf der Rechnung[3], nicht aber insgesamt. So kostet der Rückbau der Wiederaufbereitungsanlage in Karlsruhe nach momentanen Schätzungen 2,68 Milliarden Euro, von denen die Atomindustrie gerade mal 512 Millionen Euro zahlt. Dementsprechend wird die Atomkraft in diesem Beispiel zu 84%(!) aus Steuergeldern finanziert. Müsste die Atomindustrie ihre Kosten selber tragen, würde das auf diesen Fall reduziert einen 6,23 Mal höheren Strompreis bedeuten. (Die Kosten für die ebenfalls zum größten Teil aus Steuergeldern finanzierte und noch viel teurere Lagerung sind hier noch nicht mit einbezogen.) Der Preis für Atomkraft steht also nicht auf der Stromrechnung, sondern auf dem Steuerbescheid.

Das zweite Problem hängt eng mit dem ersten zusammen. Es ist die Monopolbildung. Atomkraftwerke lassen sich nicht nach Bedarf steuern, erzeugen also unabhängig von der Nachfrage Strom. Da eine Überproduktion das Netz instabil werden lässt, müssen also bei niedrigerem Bedarf die Betreiber anderer Kraftwerke zurückstecken. So kommt es, dass vier große Stromkonzerne in Deutschland die Preise faktisch nahezu diktieren können. Dass es auch ohne Atomkraft ginge, zeigen die Notabschaltungen (u.a. wegen mangelnder Kühlung) im vergangene Jahr. Obwohl zeitweise kaum Atomkraft im Energiepool vorhanden war, bleib der Strompreis (ebenso wie die Versorgungsleistung) stabil. Die Zwangsversorgung mit teurem Atomstrom aber verhindert, dass sich neue, günstigere Anbieter am Markt etablieren können, die womöglich in einen direkten Preiskampf übergehen könnten.

  1. [1]In beiden Fällen handelt es sich um Ordnungswidrigkeiten, nicht um Straftaten.
  2. [2]Besonders glücklich waren diejenigen, die ihren Ausweis vergessen hatten: Er war kein einziges Mal verlangt worden. Damit war alle Verunsicherung grundlos gewesen.
  3. [3]Wobei ich seit meinem Wechsel auf Ökostrom weniger für Stom bezahle, als zur Zeit, die mir EnBW Atomstrom ins Haus gepumpt hat. Und dann hat sich die EnBW auch noch erdreistet, aufgrund von Ökostromumlagen noch mehr Geld zu verlangen als den ohnehin schon überteuerten Preis.

Hexwars 0.2.1 veröffentlicht

Jetzt, wo meine Laborpraktika an der Uni beendet sind, habe ich mir mal wieder etwas Zeit für Hexwars genommen und ein Update zur „Advanced Alpha“ gebracht. Neue Features habe ich keine spektakulären eingebaut: Das Menu im Hotseat-Spielmodus zeigt nun den Gewinner an, sobald er fest steht. Der Sinn des Releases war vor allem, die Paketierung zu vereinfachen und dafür möglichst rund laufenden Code bereitzustellen.
Da ich jetzt wohl etwas Zeit dafür habe, wollte ich die Installation für Einsteiger vereinfachen (und direkt mein erstes für die Öffentlichkeit bestimmtes Debian-Paket backen). Das ging dann aber direkt in die Hose: Mein extra dafür aufgesetztes Debian „Lenny“ (bzw. die dort verwendete Version der „libboost“) ist zu alt.

Nachtrag: Jetzt ist eh Debian Squeeze offiziell final. Damit hat sich das Problem erledigt.

In den Fängen des Terrors, Episode 0.2

Anmerkung: Es handelt sich hierbei um den zweiten (und letzten) Teil des Prologs. Wer Hintergründe mag, ist eingeladen die Vorgeschichte zu lesen, alle anderen werden auch bei späterem Einstieg folgen können.

Seine Freundin war überdurchschnittlich groß, aber immer noch etwas kleiner als er, blond und ihre Haut war hell weiß. In dieser Umgebung stachen ihre dunklen, braunen Augen natürlich besonders hervor. Man konnte nicht umhin, ihr ständig hinein zu sehen. Sie hatte einen Job in der Hauptstadt angenommen und war dorthin gezogen. Die Wochen seit diesem Tag kamen ihm ewig vor, doch heute sollte diese Zeit enden. Länger hätte er es auch kaum ertragen können.

An einem gewöhnlichen Tag hätte er das Fahrrad genommen und wäre zum Bahnhof geradelt, doch diese Option stand ihm heute nicht zur Wahl. Es hätte ja auch wieder seinen Weg zurück finden müssen. So verabschiedete er sich kurz von seinen Eltern und ging zu Fuß. Er hatte die lange Version dieser Prozedur schon am Vortag hinter sich gebracht. Wie er heute erfuhr, hatte seine Mutter geweint, als er aus dem Raum war. Aber es sei, wie sein Vater sagte, normal für einen jungen Mann mindestens ein Mal im Leben eine Frau für eine jüngere zu verlassen. Sie fand das nicht komisch, aber er hatte nun mal einen solchen Humor. Die beiden würden ohne ihn auskommen – sie hatten es schließlich vor seiner Geburt auch gekonnt.

Sein Vater entschuldigte sich noch ein Mal, dass sie William nicht zur Station bringen konnten; diese Fahrt mit dem Automobil wäre teurer gewesen als der gesamte Rest des Umzugs und das war nun mal nicht zu leisten. So machte sich der nun vollwertige Mann – er hatte sich soeben von seinen Eltern emanzipiert – auf den Weg zum Bahnhof, der ihn mindestens eine Stunde kosten würde. Zum Glück war es – untypisch für diese Jahreszeit – an diesem Morgen trocken, es begann erst zu regnen als er bereits angekommen war. Hier konnte man sich in in einer kleinen Hütte unterstellen. Er überprüfte seine Brusttasche und fand erleichtert seine Identität an erwartetem Ort. Ohne sie hätte er den Zug zwar betreten können, wäre jedoch gezwungen gewesen vom nächsten Halt zurück zu laufen und überdies eine Strafe zu zahlen – schließlich hatte er die Fahrt auf seinen Namen gebucht und musste seine Identität zeigen können. Das Ticket diente ihm nur, die Abfahrtzeit festzustellen.

In Williams Blase baute sich ein zunehmender Druck auf; er hätte weniger Milch zu seinen Flocken nehmen sollen. Er lief im Wartehäuschen auf und ab, über ihm das Summen der Kamera, die ihn ständig im Fokus behielt. In einer Viertelstunde würde der Zug kommen, dort konnte er sich dann entleeren. Der am Bahnhof dazu vorgesehene Ort war ihm zu schmutzig; außerdem waren die Toiletten der einzige öffentliche Ort, an dem Vandalen noch wüten konnten. Sicherlich war mindestens eine Keramikschale zerbrochen. Im Zug dagegen war meist alles sauber und benutzbar. Außerdem konnte er so noch ein wenig Geld sparen.

Endlich kam die Bahn; sie war pünktlich auf die Minute, doch hätte William bei einer zu sehr verzögerten Ankunftszeit zu platzen gedroht. Er hatte überlegt den geringen Eintritt zum Vandalenpark zu zahlen, den Gedanken aber verworfen, da der Zug gelegentlich auch früher fuhr und er ihn somit womöglich verpasst hätte. In diesem Fall wäre er zwar berechtigt gewesen, auf den nächsten auszuweichen, aber er wollte das Risiko nicht eingehen, wenn auch nur eine Minute auf dem Spiel stand, die er seine Freundin später wiedersehen konnte.

In den Fängen des Terrors, Episode 0.1

Prolog

William schreckte auf, er saß senkrecht im Bett. Wie jeden Morgen war das Klingeln des Weckers höchst unerwartet gekommen. Doch heute war es ganz besonders gewesen, er hatte sehr unruhig geschlafen und fühlte sich, als sei er soeben erst ins Bett gegangen. Es dudelte das selbe Lied, das ihn immer aus den Träumen riss. William wünschte sich, dass die Station doch Gebrauch von ihrer Auswahl, die angeblich „mehr“ sein sollte, machen und den Begriff „das Beste“ etwas weiter fassen solle. Die Moderatoren rühmte sich, Musik aus jedem Jahrzehnt seit den 1960ern zu spielen; gefühlt hatten sie jeweils genau einen Repräsentanten ausgewählt. Ob sie für mehrfaches Abspielen eines Liedes nur ein Mal Verwertungsgebühr zahlen mussten? Irgendeine Erklärung musste es geben, doch William entschied sich, dem Spuk ein Ende zu bereiten und drückte auf den etwa drei Zentimeter langen und einen Zentimeter breiten, ovalen Knopf seines Radioweckers. Ihn würde er hier zurücklassen. Er überlegte kurz, ob es vorteilhaft wäre, sich früher wecken zu lassen, um mit den weniger monotonen Nachrichten zu erwachen. Schließlich war regelmäßig ein neues Thema in der öffentlichen Debatte. Tierseuchen folgten auf internationale Finanzpolitik folgten auf skandalöse Medienereignisse. Keine dieser Debatten wurde zum Ende geführt, aber wenigstens brachten sie etwas Abwechslung in die Monotonie der Medien. Schnell verwarf er den Gedanken wieder, da es ohnehin zu spät war, um bezüglich dessen etwas zu ändern: Heute war vorerst der letzte Tag, den er hier erwachen würde. Sein Koffer war bereits gepackt und in wenigen Stunden würde sein Zug in die Hauptstadt fahren.

Gemütlich aß er seine Frühstücksflocken. Wieder lief Musik, doch auf dem Empfänger in der Küche ließ sich eine Frequenz einstellen, die der andere nicht beherrschte. Das Signal rauschte zwar, aber dafür hatte er manchmal sogar die Gelegenheit, ein für ihn völlig neues Stück genießen zu dürfen. Und das, obwohl diese Musik nur aus einem Jahrzehnt stammte und – so schien es ihm – auf jeden Fall das beste daraus darstellen musste. Die Flocken – es waren solche aus Mais, aber auch solche, die den Namen „Vollkorn“ trugen – gingen zur Neige. Er hatte darauf verzichtet neue zu kaufen, da außer von ihm in seiner Familie Brot klar bevorzugt wurde. Sein Appetit jedoch bevorzugte je nach Jahreszeit ein anderes Frühstück. Manchmal deckte er sogar den Tisch, um sich dann noch ein Mal anders zu entscheiden. Dieses geschah zum Beispiel, wenn er im Kühlschrank neben der Marmelade, welche er nehmen wollte, frische Früchte entdeckte. Nach dem Frühstück wandte William sich der morgendlichen Körperpflege zu, ehe er die dazu benötigten Utensilien in den Koffer zu seiner gebügelten und säuberlich zusammengefalteten Wäsche legte. Zuletzt nahm er eine Schachtel Pralinen aus dem Kühlschrank und schlug sie in Aluminium ein – so würde er sie in der trockenen Heizungsluft des Zuges vor dem Schmelzen bewahren können. Dieser Aufwand tat Not, denn am Bahnhof würde ihn seine Freundin, zu der er zog, sehnlichst erwarten. Um die isolierende Folie wickelte er eine zusätzliche Lage bunten Papiers und band eine Schleife um das fertige Paket.

Fortsetzungsgeschichte:
„In den Fängen des Terrors“

Ich habe mich entscheiden, eine Geschichte, die mir schon länger im Kopf herum spukt, Stück für Stück – wie ich sie schreibe – hier im Blog als Fortsetzungsgeschichte zu veröffentlichen. Diese Serie darf durchaus als Experiment gesehen werden – schließlich ist nicht ganz klar, ob am Ende noch alles zusammenpasst: Durch den Veröffentlichungsmodus werde ich in der Lage sein, tagesaktuelle Geschehnisse in meine Fiktion einzubinden. Und das möchte ich auch tun, sobald der Grundstein zur Geschichte gelegt ist.

Erste Skizzen zur Geschichte existieren schon seit einigen Jahren, dennoch hat sie (leider) nichts an den Umständen geändert, die mich auf die Idee zu dieser Geschichte gebracht haben, somit ist auch der Grundstein zur Geschichte durchaus als tagesaktuell zu sehen. Auf Titel ist mir für meine mittlerweile recht weitläufige Gedankenwelt wollte ich mich bisher nicht festlegen. Ursprünglich habe ich etwas schlichtes bevorzugt; dass ich jetzt etwas mehr Pathos in die Überschrift lege, hat auch mit der gewählten Veröffentlichungsform zu tun: Das Überthema soll immer greifbar bleiben, auch wenn es hier und da Seitenhiebe auf die Tagespolitik geben wird.

Den ersten Teil der Geschichte werde ich in den kommenden Tagen veröffentlichen. Ich hoffe, dass er seine Leser finden wird.

Nationaler Korruptionstag

Aufgrund des immer wieder aufflammenden Verdachts, dass unsere Regierungen Entscheidungen gegen den Willen des Volkes durchsetzen und dass womöglich Korruption im Spiel sein könnte, möchte ich für das Jahr 2011 einen Nationalen Korruptionstag vorschlagen. Das Ziel ist klar: Wir kaufen unsere Regierungen (zurück).

Am Nationalen Korruptionstag sollten nach meiner Vorstellung möglichst viele Spenden gesammelt werden, um den gesammelten Betrag dann dem machthabenden Personenkreis anzubieten. Zwar lassen sich damit am Volk vorbei getroffene Entscheidungen[1] nicht unbedingt reparieren, allerdings können wir uns so wenigstens für die nächsten Vorhaben rüsten. Es gibt auch schon einen Plan B, falls wieder erwarten keine Partei den voraussichtlich gigantischen Betrag annehmen möchte: Das Geld könnte zum Kampf gegen die Korruption eingesetzt werden. Wenn das Volk seine Regierung nicht kaufen kann, soll es bitte auch niemand sonst tun.

1: Stuttgart21, der neue JMStV, der Wiedereinstieg in die Atomenergie, um nur einige zu nennen.

Wiederbelebung

Ich wollte schon länger (wieder) eine neue persönliche Webseite haben. (Meine alte ist vor Ewigkeiten entstanden, lag bei irgendeinem der damals populären Freehoster und war in dem geschrieben, was der Internet-Explorer 5 für HTML hielt.)

Da es mir in letzter Zeit immer stärker in den Fingern kribbelt, stand ich vor der Wahl, meine neue Seite von Grund auf neu zu gestalten oder an meine vor allem im vorletzten Jahr veröffentlichten Gedanken anzuknüpfen. Wie man sieht, habe ich mich für letzteres entschieden – die Kommentare von damals aber des Aufwands wegen nicht mit kopiert.

Und da ist sie nun, meine neue Seite: patrikschoenfeldt.de. Und da mir der Titel meines Braindumps eigentlich ganz gut gefiel, ist er auch hier wieder zu finden. Viel Spaß.

PS: Der Titel passte doch nicht zu dem neuen Inhalt, daher verzichte ich jetzt auf all zu viel Politik in der Überschrift.